Die geplante Tabaksteuererhöhung beschäftigt derzeit viele Zigarrenfreunde, Fachhändler und Hersteller. Auch bei „Auf eine Zigarre“ sehen wir die Entwicklung kritisch. Nicht, weil wir notwendige Regeln grundsätzlich infrage stellen, sondern weil Zigarren, Zigarillos und Pfeifentabak eine differenzierte und verhältnismäßige Behandlung verdienen.
Zigarren sind keine Zigaretten
Sie stehen für bewussten, gelegentlichen Genuss, für Handwerk, Herkunft und Austausch. Eine gute Zigarre wird nicht nebenbei konsumiert. Sie gehört für viele erwachsene Aficionados zu einem besonderen Moment, zu einem Gespräch oder zu einem Abend in guter Gesellschaft.
Gerade deshalb ist es falsch, Zigarren, Zigarillos und Pfeifentabak steuerlich pauschal wie Produkte des regelmäßigen Zigarettenkonsums zu behandeln. Besonders problematisch ist die vorgesehene Größenordnung der Belastung: Der wertbezogene Steueranteil für Zigarren und Zigarillos soll nach der Formulierungshilfe zum Änderungsantrag von derzeit 1,47 Prozent auf 21,05 Prozent des Kleinverkaufspreises steigen. Das entspricht mehr als dem Vierzehnfachen des bisherigen Satzes beziehungsweise einem Anstieg um rund 1.332 Prozent. Der Stücksteueranteil soll ab 2027 zwar zunächst von 1,4 auf 0,84 Cent sinken, die Mindeststeuer jedoch von 7,504 auf 8,20 Cent je Stück steigen. Bis 2030 ist eine schrittweise Anhebung des Stücksteueranteils auf 1,12 Cent vorgesehen.
Diese Steuerstruktur trifft insbesondere hochwertige Zigarren, deren Preis nicht allein durch Tabak und Produktion bestimmt wird, sondern ebenso durch Handarbeit, Qualität, Herkunft, Handel und Beratung. Eine solche Belastung ist keine maßvolle Anpassung, sondern eine unverhältnismäßige steuerliche Sonderbehandlung einer kleinen, handwerklich geprägten Produktgruppe.
Die geplante Erhöhung der Tabaksteuer für Zigarren, Zigarillos und Pfeifentabak wird dem Charakter dieser Produkte nicht gerecht.
„Man sollte immer erst eine Zigarre rauchen, ehe man die Welt umdreht.“
Otto von Bismarck, 1815–1898
Dieses Zitat ist natürlich kein Argument gegen gesundheitspolitische Regelungen. Es steht aber für eine Haltung, die in der aktuellen Debatte häufig fehlt: Erst innehalten, Unterschiede erkennen und dann mit Augenmaß entscheiden, denn auch das Argument des Jugendschutzes trägt nicht. Tabakwaren dürfen bereits heute nur an Erwachsene abgegeben werden. Klassische Zigarren richten sich weder in ihrer Gestaltung noch in ihrer Kultur an Jugendliche, sondern an erwachsene Konsumenten, die sich bewusst für ein hochwertiges Nischenprodukt entscheiden.
Hinzu kommt die wirtschaftliche Realität: Der Markt für Premiumzigarren ist preissensibel. Überzogene Steuerlasten führen nicht automatisch zu höheren Einnahmen. Sie können Absatzverluste und Ausweichkäufe fördern, zulasten des Fachhandels, der Hersteller und letztlich auch des Steueraufkommens.
Für Ostwestfalen hat dieses Thema zudem eine besondere Bedeutung. Bünde, Lübbecke, Herford, Bad Oeynhausen und Löhne gehörten über Jahrzehnte zu wichtigen Orten der deutschen Zigarrenproduktion. Die Branche prägte Arbeitsplätze, Handwerk, Architektur und die soziale Geschichte unserer Region.
Wir sprechen uns deshalb für eine differenzierte und verhältnismäßige Besteuerung von Zigarren, Zigarillos und Pfeifentabak aus.