Moji­tos, Zigar­ren und gute Gespräche

Am Frei­tag, 11. Juli steht unser 112. Zigar­ren­abend steht. Und zufäl­lig fällt er auf den ame­ri­ka­ni­schen Natio­nal Moji­to Day. Was das mit uns zu tun hat? Ehr­lich gesagt: nicht viel. Aber, ein Moji­to passt an einem lau­en Som­mer­abend sehr gut zur Zigar­re, beson­ders wenn man ihn in ent­spann­ter Run­de mit guten Freun­den genießt.

Wir tref­fen uns wie gewohnt ab 19 Uhr und soll­te das Wet­ter nicht mit­spie­len, sit­zen wir ein­fach drau­ßen unterm Dach. Wer Lust auf einen Moji­to hat, bestellt sich einen. Wer nicht, lässt es.
Die Zigar­re steht wie immer im Mittelpunkt.

Und falls der Abend etwas län­ger wird, erin­nern wir uns an Ernest Heming­way, der ein­mal sag­te: „I drink to make other peo­p­le more interesting.“

Wie immer bit­ten wir um eine kur­ze Anmel­dung per E‑Mail, damit wir bes­ser pla­nen können.

West­fä­li­sche Rauch­zei­chen #010

Als sie aus dem Schlaf­zim­mer kam, zog er sich gera­de die Snea­k­er an. „Ich muss los, das Spiel fängt gleich an.“
„Tor­ben“, sag­te sie, „wir müs­sen noch über das Geschenk für Kat­ja und Sven spre­chen. Die Hoch­zeit ist in zwei Wochen.“
Er ver­dreh­te nicht die Augen, aber sei­ne Stim­me klang bereits auf dem Rück­zug. „Kön­nen wir das mor­gen klä­ren? Ich bin spät dran.“
„Du bist immer spät dran.“
„Wir fin­den schon was. Wir kön­nen ja mor­gen mal gucken gehen.“ Dann ein flüch­ti­ger Kuss, Tür auf, Tür zu und weg war er. Sie hör­te, wie er die Trep­pen hin­un­ter­lief, zwei Stu­fen auf ein­mal. Wie immer, wenn er spät dran war. Dann war es still.

Sie stand noch einen Moment da, zwi­schen Flur und Wohn­zim­mer. Über­leg­te, ob man sau­er sein durf­te, wenn der ande­re einen nicht absicht­lich ver­letz­te. Dann dreh­te sie sich um und ging in die Küche. Sie räum­te die Tel­ler vom Abend­essen in die Spül­ma­schi­ne und wisch­te die Arbeits­plat­te ab, die gar nicht schmut­zig war. Sie mach­te das, was sie immer mach­te, wenn sie sich ärger­te. Sie funktionierte.

Auf dem Weg ins Wohn­zim­mer blieb ihr Blick am klei­nen Humi­dor hän­gen, der noch offen stand. Natür­lich. Wahr­schein­lich hat­te Tor­ben auf den letz­ten Drü­cker noch schnell Zigar­ren ein­ge­packt. Sie woll­te den Deckel schlie­ßen, ein­fach aus Reflex. Doch dann hielt sie inne. Der Geruch stieg ihr in die Nase, warm und wür­zig. Nach lau­en Som­mer­näch­ten auf dem Bal­kon. Nach Gesprä­chen, die längst ver­klun­gen waren. Nach beson­de­ren Momen­ten, die lan­ge zurück­la­gen. Sie betrach­te­te die ordent­lich auf­ge­reih­ten Zigar­ren, die wie klei­ne Ver­spre­chen vor ihr lagen, und nahm eine her­aus. Nicht weil sie es woll­te, son­dern weil es plötz­lich nahe lag. Dabei fühl­te sie sich wie eine Ein­bre­che­rin im eige­nen Zuhause.

Die Zigar­re lag uner­war­tet schwer in ihrer Hand. Sie ließ die Fin­ger über das sei­dig glat­te Deck­blatt glei­ten, spür­te die fei­nen Adern, den leich­ten Wider­stand unter dem Druck des Daumens.
Neben dem Humi­dor lag Tor­bens Zigar­ren­sche­re. Sie griff danach und setz­te die Sche­re an. Ein kur­zer, sau­be­rer Schnitt, ruhig und präzise.

Auf dem Bal­kon setz­te sie sich auf den alten Holz­stuhl, den Tor­ben immer „mei­nen Platz“ nann­te. Nun war es ihrer.

Sie führ­te die Zigar­re an die Lip­pen, zün­de­te sie an. Zog dar­an. Vor­sich­tig. Sehr vor­sich­tig. Frem­de Aro­men brei­te­ten sich in ihrem Mund aus. Fremd, aber nicht unan­ge­nehm. Ver­traut von sei­nen Küs­sen und doch ganz anders. Inten­si­ver. Direk­ter. Sie schmeck­te das Hol­zi­ge, das Süße, das Tie­fe und Dunk­le. Und spür­te, wie es in ihr ruhi­ger wurde.

Sie hielt die Zigar­re in der Hand und betrach­te­te sie wie ein Ver­spre­chen. Der Rauch stieg lang­sam auf, als hät­te er kei­ne Eile. Sie beob­ach­te­te, wie er sich krin­gel­te, auf­lös­te und im Abend­licht verschwand.

Schwal­ben zogen ihre Krei­se am Him­mel, in einem Gar­ten wur­de gelacht und irgend­wo in der Fer­ne schlug eine Kirch­turm­uhr. Auch die Stadt atme­te in lang­sa­men Zügen.

Wet­ter­be­dingt: Tref­fen am 6. Juni in Bielefeld

Ach­tung Planänderung!

Auf­grund der aktu­el­len Wet­ter­la­ge fin­det unser 111. Zigar­ren­abend am 6. Juni nicht auf dem Güters­lo­her Wein­markt, son­dern wie gewohnt in unse­rer übli­chen Loca­ti­on in Bie­le­feld statt.

Wir freu­en uns trotz­dem auf einen genuss­vol­len Abend mit Zigar­re, gutem Gespräch und ent­spann­ter Run­de – tro­cken und windgeschützt.

Bis Frei­tag­abend!

Wet­ter­be­dingt noch nicht final entschieden

Hin­weis zum Tref­fen am 6. Juni:

Ob unser 111. Tref­fen am kom­men­den Frei­tag wie geplant auf dem Güters­lo­her Wein­markt statt­fin­den wird, hängt vom Wet­ter ab. Die aktu­el­le Vor­her­sa­ge für Frei­tag­abend in Güters­loh pro­gnos­ti­ziert wech­sel­haf­tes Wet­ter mit mög­li­chen Regen­schau­ern und Tem­pe­ra­tu­ren um 19° C.

Soll­te sich mor­gen oder über­mor­gen abzeich­nen, dass es reg­nen wird, wer­den wir umdis­po­nie­ren und uns statt­des­sen wie gewohnt in Bie­le­feld treffen.

Wir hal­ten Euch hier auf dem Lau­fen­den, schaut ein­fach recht­zei­tig noch­mal vorbei.

West­fä­li­sche Rauch­zei­chen #009

Er saß im Auto auf dem Park­platz des Super­markts. Die Son­ne stand tief, streif­te flach über die Dächer und leg­te lan­ge Schat­ten auf das gelb­li­che Pflas­ter. Es war die­ser Moment am frü­hen Abend, an dem ein lan­ger Tag lang­sam zur Ruhe kommt. Die Geräu­sche wur­den wei­cher, die Luft stand still, als hiel­te sie kurz die Luft an, bevor sie ganz ver­schwand. Der Park­platz leer­te sich. Ein paar letz­te Kun­den kamen mit knis­tern­den Tüten aus den Schie­be­tü­ren. Eini­ge war­fen im Vor­bei­ge­hen Bli­cke hinüber.

Das Fens­ter stand einen Spalt offen, aus sei­ner lin­ken Hand stieg lang­sam Rauch auf. Aus dem Radio kam Musik, die ein biss­chen nach Bruce Springsteen klang. Er saß im Auto, hör­te zu und rauch­te eine Zigar­re. Er hat­te nichts vor und woll­te auch nir­gend­wo hin. Zumin­dest nicht jetzt.

Er hat­te die Zigar­re noch nicht halb geraucht, als ein Strei­fen­wa­gen lang­sam über den Platz roll­te und in der Park­bucht neben ihm hielt. Kein Blau­licht, kein hek­ti­sches Manö­ver. Sie stell­ten sich ein­fach daneben.

Zwei Beam­te stie­gen aus – ein Mann, eine Frau. Er: rund­lich, Mit­te fünf­zig, leicht ins Hemd gewach­sen, rou­ti­nier­ter Schritt. Sie: sport­lich, bestimmt zehn Jah­re jün­ger, nicht ohne Aus­strah­lung. Er regis­trier­te sie, bei­läu­fig, wie man etwas bemerkt, das einem eigent­lich nichts angeht. Der Mann trat an sein Fens­ter, beug­te sich leicht vor und klopf­te ans Glas. Er wirk­te wie jemand, der den Tag schon län­ger mit sich her­um­schlepp­te, aber nicht müde genug war, unfreund­lich zu werden.

Er kur­bel­te das Fens­ter ein Stück wei­ter her­un­ter, nahm die Zigar­re aus dem Mund und sah den Beam­ten ruhig an. „Guten Abend“, sag­te der Poli­zist. „Alles in Ord­nung bei Ihnen?“ – „Sicher“, ant­wor­te­te er. – „Haben Sie hier jeman­den getrof­fen?“ – „Nein.“ – „War­ten Sie auf jeman­den?“ – „Ich sit­ze nur.“ Der Beam­te nick­te leicht. „Wie lan­ge schon?“ – „Nicht lan­ge“, sag­te er und sah in den Aschen­be­cher. „Etwa 4 Zentimeter.“

Die Beam­tin war inzwi­schen näher­ge­tre­ten. Sie sah kurz in den Innen­raum, dann zu ihm. „Wir haben einen Anruf bekom­men“, sag­te sie. „Ein Pas­sant hat sich gewun­dert, dass hier jemand schon so lan­ge steht.“ – „Ich ver­ste­he.“ Er sag­te das ohne Iro­nie. Dann zog er lang­sam an der Zigar­re und ließ den Rauch nach­denk­lich durch die Nase entweichen.

„Ist irgend­et­was vor­ge­fal­len?“, frag­te der Poli­zist. „Haben Sie einen Grund, hier zu sein?“ Er schwieg kurz, dann sag­te er: „Eigent­lich bin ich nur gera­de ger­ne hier. Ein­fach sit­zen, Musik hören und eine Zigar­re rau­chen. Solan­ge wie es eben dauert.“

Die bei­den Beam­ten schau­ten sich an. Es war kein rat­lo­ser Blick, eher ein stil­les Ein­ver­ständ­nis dar­über, dass die­ser Moment kei­ner war, aus dem noch mehr wer­den muss­te. „Na gut“, sag­te die Beam­tin. „Wir woll­ten nur sicher sein.“ – „Dan­ke“, sag­te er. „Gute Fahrt.“

Sie gin­gen zurück zum Wagen, stie­gen ein und fuh­ren ohne Eile vom Platz.

Er blieb noch eine Wei­le sit­zen. Die Son­ne war inzwi­schen ganz ver­schwun­den. Der Song im Radio war vor­bei, der nächs­te klang wie aus einer ande­ren Zeit. Er dreh­te das Radio aus, nahm den letz­ten Zug, stubs­te die Zigar­re vor­sich­tig in den Aschen­be­cher und lehn­te den Kopf gegen die Kopf­stüt­ze. Nur für einen Moment. Nur um zu hören, wie lei­se ein Park­platz sein kann, wenn die Welt zur Ruhe kommt.

West­fä­li­sche Rauch­zei­chen #008

Sze­ne: Ein Geh­weg aus gro­bem Kopf­stein, irgend­wo in West­fa­len. Zwei Män­ner leh­nen an einer nied­ri­gen Zie­gel­mau­er. Der eine trägt einen abge­wetz­ten Man­tel, der ande­re eine Schie­ber­müt­ze. Einer raucht eine Zigar­re, der ande­re redet. Bei­de bli­cken ins Nichts.

Der Erzäh­ler (tritt aus dem Schat­ten, spricht sach­lich, fast mecha­nisch):
„Zwei Män­ner am Rand der Welt. Sie reden nicht mit­ein­an­der, son­dern durch sich hin­durch. Was sie sagen, ist Deckung. Was sie schwei­gen, ist das Eigentliche.“

Der Reden­de:
„Ges­tern wie­der Brot ohne Krus­te. Nur noch das, was übrig bleibt.“
(Pau­se.)
„Der Milch­mann war nicht da. Oder er war da und woll­te nicht klingeln.“

Der Rau­chen­de:
„Milch ist überbewertet.“

Der Reden­de:
„Sie sagen, das Gas kos­tet jetzt dop­pelt. Ich hab’s trotz­dem nicht bemerkt.
Es ist ein­fach nur kalt.“

Der Rau­chen­de:
„Wenn man sich nicht bewegt, friert man langsamer.“

Der Reden­de:
„Die Uhr in der Kir­che geht vor. Ich glau­be, absichtlich.“
(Blickt nicht rüber.)
„Kla­ra sagt, das sei ein Zeichen.“

Der Rau­chen­de:
„Viel­leicht geht auch die Zeit selbst vor.“
(Pau­se. Der Rau­chen­de schnippt Asche ab. Die Ges­te ist bedeu­tungs­los und end­gül­tig zugleich.)

Der Erzäh­ler:
„Was sie hier sehen, ist kein Gespräch. Es ist ein Pro­to­koll der Unru­he. Der eine redet, damit nicht auf­fällt, dass er nichts mehr glaubt. Der ande­re raucht, weil das Tun ohne Ant­wort die letz­te Wür­de ist.“

Ein lei­ser Wind.
Ein dump­fer Glockenschlag.
Asche fällt.

Auf eine Zigar­re zum Weinmarkt

Nächs­tes Tref­fen am 6. Juni!

Am Frei­tag, 6. Juni 2025 fin­det unser 111. Zigar­ren­abend statt – und das nicht wie gewohnt im Bier­gar­ten, son­dern die­ses Mal auf dem 30. Güters­lo­her Wein­markt.

Wir wol­len die beson­de­re Atmo­sphä­re des Wein­markts nut­zen, um in gesel­li­ger Run­de das ein oder ande­re Glas Wein und gute Zigar­ren zu genie­ßen. Um die ande­ren Besu­cher des Wein­markt nicht zu stö­ren wer­den wir ver­su­chen, am Rand des Fes­tes einen Tisch zu ergat­tern, wo wir ent­spannt bei­sam­men­sit­zen können.

Los geht’s wie immer ab 19:00 Uhr – bit­te mel­det Euch vor­ab per E‑Mail an, damit wir bes­ser pla­nen können.

Ob mit Rot­wein, Weiß­wein oder Rosé – wir freu­en uns auf einen genuss­vol­len Abend in Gütersloh.
Bis bald „auf eine Zigarre“!

West­fä­li­sche Rauch­zei­chen #007

Mei­ne Frau woll­te mal nach Spa­ni­en. Also hab ich ihr den Gefal­len getan. Irgend­wo in Anda­lu­si­en blieb sie an so ’nem Laden hän­gen – Töp­fer­wa­ren und Tapaszeugs.
Ich hat­te kei­ne Lust. Bin run­ter zum Dorf­platz, da war ’ne klei­ne Bode­ga. Zwei Tische drau­ßen, viel Son­ne, biss­chen Schat­ten. Ich hab mir ein Bier geholt, mich hin­ge­setzt und eine Zigar­re angezündet.

Nach ’ner Wei­le kam ein alter Spa­ni­er, son­nen­ge­gerb­te Haut, Stroh­hut. Setz­te sich an den Neben­tisch und zün­de­te sich auch eine an. Wir nick­ten uns zu, rauch­ten schwei­gend unse­re Zigar­ren und lie­ßen die Son­ne machen.

Irgend­wann grins­te er, zeig­te mit dem Dau­men Rich­tung Laden­zei­le und brumm­te auf Spa­nisch: „Cuan­do mi mujer va de com­pras, yo me escon­do aquí.“
Ich hab kein Wort ver­stan­den. Nur gelä­chelt und genickt.

Ich nahm noch einen Zug und dach­te „Wird schon stimmen.“