West­fä­li­sche Rauch­zei­chen #003

Zwei Männer beim AngelnZwei sit­zen schwei­gend am Teich.
Nur Regen. Und Zigarrenrauch.

Bei dem einen tut sich was an der Schnur. Er springt auf, kur­belt, rudert mit den Armen. Mit nas­sen Hän­den zieht er den Fisch aus dem Was­ser, hält ihn stolz in die Höhe.
„Guck dir dat an – wat’n Kaventsmann!“

Der ande­re sitzt wei­ter ruhig.
Kein Blick zum Fisch.
Er nimmt einen Zug.
Dann sagt er: „Kehr wat’n Stress.“

West­fä­li­sche Rauch­zei­chen #002

Ein Mann sitzt in einem Sessel und raucht eine Zigarre

Er sitzt am Fens­ter, die Füße auf dem Hocker, die Zigar­re zwi­schen den Fingern.
Drau­ßen pras­selt der Regen gleich­mä­ßig gegen die Schei­be, der Him­mel ist grau, der Hof glänzt nass im trü­ben Licht.
In der Wohn­stu­be ist es gemüt­lich und warm, Zigar­ren­rauch zieht lang­sam zur Decke hoch.

Sei­ne Frau sitzt ihm gegen­über, mit einer Tas­se Tee, schaut ihn eine Wei­le an. Dann fragt sie: „Sach ma, wat is da eigent­lich so toll an dien Zigarre?“

Er nimmt einen Zug, schließt die Augen, pus­tet den Rauch lang­sam aus und sagt: „Dat man do nich bi prao­ten mutt.“

West­fä­li­sche Rauch­zei­chen #001

Zwei männer sitzen am Tresen einer Bar

Es saßen zwei Män­ner in einer Bar.
Der eine, ein Mann von Welt, schwelg­te in Erin­ne­run­gen. Er erzähl­te von einer beson­de­ren Zigar­re, die er einst rauch­te. Kom­po­niert aus dem erle­sens­ten Tabak. Hand­ge­rollt von einer lei­den­schaft­li­chen Lati­na mit schwar­zem Haar, ver­sie­gelt mit einem Kuss.
Er schwärm­te von der kari­bi­schen Bar, der lau­en Nacht, dem Rum in sei­nem Glas.

Der ande­re, ein ruhi­ger West­fa­le, hör­te zu.
Er sag­te nichts. Dann griff er in sei­ne Tasche, hol­te zwei Zigar­ren her­aus, leg­te eine vor den Mann und mein­te trocken:
„Hätt’ste mal zwei mitgenommen.“